grete,


imaginäre Schwestern – wie imaginäre Freunde – nur garstiger.




Ich habe zwei Geschwister – eine ältere Schwester – die Käthe -  und einen jüngeren Bruder – den Kajo. Im Hintergrund sieht man die Großmutter – väterlicherseits.

Wir lieben uns. Meine Geschwister sind kluge, fürsorgliche, großzügige Menschen. Verlässlich. Kümmernd.

Letzte Woche saßen die Schwester und ich zusammen und unterhielten uns über eine Familie, in der die Geschwister im gleichen Alter sind wie wir. Eine Schwester ist gestorben – und prompt fängt der Krieg über das Erbe an. Und wir haben dann locker 10 Minuten darüber gesprochen, wie so etwas bei uns einfach nicht vorkommen könnte. Und wie froh wir darüber sind, dass keiner von uns so gestrickt ist.

„Stell dir mal vor, wir hätten noch eine Schwester. Die so drauf wäre.“

Kurzes Schweigen. Die imaginäre Schwester nimmt Gestalt an.

„Sie heißt Cäcilie. Und ist die Älteste.“

„Jupp. Sie trägt immer Twinsets in Pastellfarben, hat einen blonden Dutt und geht nie ohne ihre Perlenkette aus dem Haus.“

„Ihr Mann ist Anwalt. Und Jäger…..und in der AFD.

„Und einen Sohn namens Maximilian Alexander. Der studiert auch Jura, ist 1,90m und blond.“

„Und in einer Verbindung.“

„Oh ja. Eine Verbindung.“

„Immer, wenn sich die komplette Familie trifft sitzen die drei beieinander und schauen sich das Treiben der restlichen Sippschaft an – insbesondere das der diversen Cousinen und Cousins von Maximilian Alexander.“

„Mit der Sorte Gesichtsausdruck, die man bekommt, wenn man gerade in eine Zitrone gebissen hat….“

„Genau – und auf dem Weg nach draußen sagt Cäcilie dann – leise, aber so, dass wir das auch sicher noch mitbekommen: ‚Wir können dem lieben Gott wirklich danken, dass du nicht so geworden bist, Junge.‘“

„Cäcilie war auch immer schon so. Schon als Kind. Bereits mit 12 hat sie sich geweigert die mütterliche Seite der Familie zu besuchen. Die waren so – gewöhnlich.“

„Auf Vaters Seite gab es die eine oder andere Villa. Oma hatte ein Dienstmädchen – komplett mit Häubchen und Schürze. Da konnte man doch drauf aufbauen!“

„Glücklicherweise weiß Maximilian Alexander (jupp, das wird auch immer komplett ausgesprochen – nix da, mit Max oder ähnlichen Verniedlichungen!) was standesgemäß ist. „

„Seine Freundin ist auch blond, studiert Medizin und heißt Erdmuthe von Ranzig.“

„Erdmuthe ist jetzt vielleicht ein bisschen zu viel des Guten?“

„Quatsch. Passt wie eine Eins.

Und so bekommt unsere imaginäre älteste Schwester von Tag zu Tag mehr Fleisch auf die nicht-existenten Rippen. Sie gehört jetzt dazu. Ob wir sie mögen, oder nicht.

Eure Grete.