grete,


Asket, der – Substantiv, maskulin(!) – enthaltsam lebender Mensch




Mit anderen Worten – ein ausgesprochen unangenehmer Zeitgenosse. Er kauft sich nur das, was er wirklich braucht. Es ist praktisch unmöglich, ihm etwas zu schenken – sagen wir mal, zum Geburtstag – worüber er sich wirklich freut.

„Das ist wirklich sehr lieb von dir. Danke. Hast du noch den Bon?“

Er sammelt nichts. Aus Prinzip. Hat man ein solches Exemplar in unmittelbarer Nähe, fühlt man sich immer wie ein Messie oder Horder oder wie auch immer man jemanden nennen will, der sich an bestimmten Warengruppen besonders erfreut. (Sagen wir mal – Stoffe)

Ich habe so einen geheiratet. Einzig die Tatsache, dass er tatsächlich gerne isst, rettet das Ganze – ein Stück weit.

Ich dagegen bin ein Hobby-Zubehör-Horder. Oder vielleicht auch ein Projekt-Horder. Das lässt sich bestimmt wissenschaftlich korrekt diagnostizieren. Da gibt es auch bestimmt ein entsprechendes „Syndrom“. Ich möchte das jetzt nicht weiter erkunden.

Vor zwei Wochen meinte der Gatte, wir sollten dieses Jahr mal ein bisschen mehr Essbares in unserem Garten anbauen. Damit man in der offensichtlich noch nicht so bald endenden Corona Zeit nicht so oft zum Supermarkt muss. Ein paar Tage später meinte er, es gäbe da diese relativ neuen Systeme – sogenannte „Vertikale Gärten“ – oder „Hydroponische Pflanzsysteme“. Nun ist der Gatte der Großmeister in der Kunst des Delegierens.

„Schau dir das doch mal an – und wenn das was für uns ist, bestell mal die nötigen Dinge.“

Circa 700 Euro später warte ich gerade auf den Paketboten. Der bringt mir ein Minigewächshaus für die Fensterbank, damit ich meine Sämlinge ziehen kann.

30 verschieden Gemüse- und Kräutersamen.

Messgeräte für den PH- und EC-Wert. Zeitschaltuhren. Bio-Dünger. Substrat. Pflanztürme.

Ich habe hier bereits einen ganzen Ordner mit Zucht- und Pflanzplänen angelegt.

Und gestern akribisch kleine Fähnchen beschriftet und an Zahnstocher geklebt, damit ich auch weiß, was das für ein kleines Blättchen ist, dass aus den 104 (!) Pflanztöpfen herausschauen wird.

Meine Geschwister sind da kein Stück besser. Die Stoff- und Wollvorräte bei meiner Schwester? Die Handtaschen? Über ihre Kleiderschränke will ich erst gar nicht reden – vor allem, weil ich immer alles vom letzten Jahr erbe. Was sehr praktisch ist, da ich Kleidung shoppen hasse wie die Beulenpest.

Und der Bruder hat sich gerade das x-te Fahrrad gekauft. Ich habe den Überblick verloren, wie viele Fahrräder er jetzt hat. Die Schwester meinte, das müsse man verstehen – dieses neue Modell sei garantiert ein „cross-country-over-the-mountains-swimming-through-rivers-perhaps-even-flying-bike“.

Und nachdem ich doch gerade auf dem Stoffsalat Blog in meinem letzten Beitrag verkündet hatte, dass ich genügend Stoffe für den Rest meines Lebens habe, sitze ich heute Morgen vor den Schönheiten dort oben und denke darüber nach, was ich aus ihnen nähen werde.

Die gibt es jetzt nämlich im Stoffladen meiner Wahl – und da muss man doch…..

Sie heißen „Homeland“ und sind von Maureen Cracknell für Art Gallery Fabrics.

Askese kann mich mal.

Eure Grete.