grete,


Geständnisse einer Höhlenfrau




Anfang der 90er machte ein Theaterstück namens „Defending the Caveman“ von Rob Becker weltweit die Runde. In Deutschland wurde das Stück schlicht unter dem Namen „Caveman“ aufgeführt. Es handelte sich um einen Monolog, in dem ein Mann die Unterschiede zwischen Männern und Frauen erläuterte und erklärte, warum der moderne Caveman es trotz allem wert ist, vor dem Aussterben gerettet zu werden.

Der Gatte und ich haben das Stück damals in Israel gesehen und irgendwann erklärte der Herr auf der Bühne, dass wissenschaftliche Studien belegen würden, dass Frauen einfach eine größere Ration an Wörtern pro Tag (ca. 7000) zugeteilt bekommen haben und Männer leider nur 2000.

Die hätten sie dann bereits am Arbeitsplatz aufgebraucht und wenn sie dann nach Hause kämen, wäre da leider nichts mehr im Tank, während die Gattin noch einen Vorrat von 5000 Wörtern hätte.

In diesem Moment drehte sich mein Mann zu mir um und flüsterte mir ins Ohr: Das ist ja komisch. Das ist bei uns genau umgekehrt.

Lasst mich das mal so erklären: wenn ich von jetzt bis März 2022 einen Terminkalender für uns erstellen würde, in dem an 300 Tagen Gäste zum Abendessen kommen – und wir an den restlichen Tagen des Jahres ins Theater, ins Konzert, auf eine Wandertour, etc. gehen? Der Gatte wäre glücklich.

Ich dagegen? Meine 2000 (gesprochenen) Worte gehen für die Kinder, den Ehemann, die Geschwister drauf. Ich spar dann immer mal ein bisschen was an Resten an, wenn ich so alle paar Monate mit den besten Freunden auf FaceTime spreche. Ich denke lieber über Urlaub nach, als ihn tatsächlich zu machen. Shoppen ist für mich Höchststrafe und muss in maximaler Effizienz in möglichst wenigen Geschäften und nur bei absoluter Notwendigkeit hinter sich gebracht werden. Kulturveranstaltungen macht man gelegentlich als Gefallen für den Ehemann mit. Auf Feiern denke ich schon nach einer Stunde darüber nach, wann man sich aus dem Staub machen kann, ohne unhöflich zu sein.

Gebt mir einen bequemen Sessel und ein gutes Buch. Meine Nähmaschine. Meinen Garten. Um unser Haus herum gibt es Wiesen, Felder, Wald und eine Burg. Ab und zu fährt ein Traktor vorbei. Dieser Standort wurde bewusst gewählt.

Mit anderen Worten – immer wenn man dieser Tage mal irgendwelche Zoom Meetings hat und die Menschen darüber klagen, dass man ja nirgendwo hingehen kann? Nicht ins Fitnesscenter (schudder), nicht in die Geschäfte (ähhh), keine Parties (würg) – dann gebe ich mein Bestes verständnisvoll zu gucken und zu nicken.

Bis dann eine meiner Töchter im Hintergrund laut verkündete: Für Mama macht Corona nun wirklich keinen Unterschied für ihren Lebensstil. Stimmt. Das wurde vermutlich noch nicht so formuliert – aber unsoziale Menschen sind in Coronazeiten klar im Vorteil.

Eure Grete.