grete,


Rosinen picken - international




In den 80ern machte ein Witz die Runde, in dem Himmel und Hölle durch internationale Rollenverteilungen definiert wurden:

Himmel: Die Polizisten sind Briten, die Köche Franzosen, die Ingenieure Deutsche, die Beamten Schweizer und die Liebhaber Italiener.

Hölle: Die Polizisten sind Deutsche, die Köche Briten, die Ingenieure Italiener, die Beamten Franzosen und die Liebhaber Schweizer.

Schon damals fand ich, dass die deutsche Polizei auch im Ländervergleich gar nicht so schlecht hätte abschneiden sollen, die italienischen Köche waren mir lieber als die französischen (mal ganz abgesehen davon, dass die Briten da auch aufgeholt haben) und leider kann ich weder die italienischen noch die Schweizer Liebhaber wirklich beurteilen.

Momentan sind wir ja wieder mal in einer Phase, wo permanent internationale Vergleiche gezogen werden. Welche Länder niedrigere Ansteckungsraten haben. Wo schneller geimpft wird. Wo die staatlich verordneten Maßnahmen besser greifen. Es ist zum nationalen Volkssport geworden, alle Entschei-dungen der Regierung zu zerlegen und zu kritisieren und jeder Mensch, mit dem ich spreche weiß, wie man es besser hätte machen können.

Und zugegeben, wenn wir - d.h. der Gatte und ich, sowie diejenigen meiner Kinder, die auch einen israelischen Pass haben nach Israel fliegen würden und 2 Wochen in Quarantäne gingen, wären wir alle in ca. 6 Wochen zweimal geimpft, einschließlich der Kinder in den 20ern. Selbst meine 17-jährigen Nichten sind in Israel schon mit dem Impfen durch.

Das hätten wir natürlich in Deutschland auch so machen können. Wenn uns zum Beispiel die Sache mit dem Datenschutz egal wäre. Aber – wie mein deutscher Schwager so schön sagte: Dem Deutschen ist der Datenschutz wichtiger als sein Leben.

Meine israelische Schwägerin hat mir ihre Impfung so geschildert: Habe eine Nachricht auf mein Handy bekommen, mit Anamnesebogen, Einwilligungserklärung und Termin. Alles unterschrieben und per e-mail 10 Minuten später zurückgeschickt. Drei Tage später mit dem Auto am Drive-In-Impfzentrum vorgefahren, meine Krankenkassenkarte wurde gescannt, weiter bis zum Mann mit der Spritze, Fenster runtergefahren, Spritze bekommen, auf einen Parkplatz gefahren, 15 Minuten gewartet, Karte bei der Ausfahrt wieder gescannt – fertig. Alles in allem 20 Minuten und noch nicht mal aus dem Auto gestiegen.

Kein Arztgespräch, alle Daten in einer einzigen gigantischen Datenbank, fertig.

Alle Infizierten, die in Quarantäne geschickt wurden, mussten ihre Handynummer beim Gesundheitsamt hinterlegen und die Ortungsdaten wurden regelmäßig abgerufen. Wenn also jemand NICHT zuhause war, obwohl er es eigentlich sein sollte, stand irgendwann die Polizei vor der Türe.

Sicherlich gibt es eine große Anzahl von Menschen auch hier in Deutschland, die damit einverstanden wären – aber eine mindestens genauso große Anzahl auch wieder nicht. Rosinen picken klappt da nicht – schnell und unbürokratisch kriegt man nun mal nicht, wenn man gleichzeitig jedem sein verbrieftes Recht auf Privatsphäre, Freiheit und Schutz der persönlichen Daten garantieren will.

Aber wenn ich DOCH Rosinen picken dürfte – also… dann hätte ich die Israelis gerne für Notfälle, die Deutschen für das geregelte, ganz normale Leben, die Briten für die humoristischen Einlagen, ein paar Russen, sollte ich mal einen Bodyguard brauchen, einen dicken Italiener in der Küche (dünnen Köchen ist nicht zu trauen) – und jemandem mit deutschem UND israelischem Pass als Liebhaber (never change a winning horse!). 

Eure Grete.