grete,


gute Vorsätze



Vielleicht geht das ja nur mir so, aber ich brauche für die Vorsätze einen triftigen Grund – und jemanden, der mir beim Durchhalten regelmäßig einen Tritt in den Allerwertesten versetzt. Denn die zählen ja auch nur dann, wenn sie etwas betreffen, das einem schwer fällt.

Sonst könnte ich mir ja zum Beispiel vornehmen, jeden Tag eine ordentliche Portion Häagen Dazs Macadamia Nut Brittle Eis zu essen – und mich dann abends loben, wie super ich das wieder ohne jeglichen Druck von außen hinbekommen habe.

Im englischen gibt es das schöne Wort „procrastination“ – was so viel bedeutet wie „da-habe-ich-jetzt-gar-keinen-Bock-drauf-also-schiebe-ich-das-vor-mir-her-bis-es-gar-nicht-anders-geht“.

Ja, ich kenne Menschen, die komplett ohne dieses Wort durchs Leben kommen. Der Gatte ist einer davon (über seine vielen unangenehmen Eigenschaften habe ich ja schon berichtet). Er schiebt NIE etwas vor sich her. Irgendetwas muss getan werden? Es ist unangenehm? Langweilig? Schwierig? Also tut er es. Sofort. Ohne darüber nachzudenken, ob jemand anderes vielleicht…. Oder – morgen wäre ja auch in Ordnung. Oder nächste Woche.

Ich musste mir dafür mühsam Mechanismen erarbeiten. Zum Beispiel gibt es bei mir tägliche to-do-Listen mit einer schönen und einer garstigen Seite. Es darf nichts auf der schönen Seite angefangen werden, bevor nicht alle Punkte auf der garstigen Seite abgehakt sind.

Glücklicherweise hat nur eines meiner fünf Kinder diese bedauerliche Eigenschaft geerbt, oder vielleicht sollte ich lieber sagen – Gott sei Dank. Wenigstens können wir zwei uns anschauen und gegenseitig verstehen, warum man jetzt mal wieder bis zum allerletzten Moment gewartet hat, bis man….

Aber das sind ja nur die Dinge, die nicht umgangen werden können, die man irgendwann – wenn auch last-minute, erledigen wird. So richtig schwierig wird es ja erst, wenn es um Dinge geht, wo nichts wirklich Schlimmes passiert, wenn man sie gar nicht tut.

Wie zum Beispiel: in Corona Zeiten etwas anderes als Jogging Hosen tragen. Parfum. Ein bisschen Make-Up. Schmuck. Wo einen doch niemand sieht. Außer dem Gatten.

Ich habe ihn jetzt gerade gefragt – ob ihm das in irgendeiner Form wichtig ist. Die Antwort war: „Also – wenn du den ganzen Tag im Schlafanzug und ungekämmt durch die Gegend laufen würdest, das würde mich stören. Aber Business Klamotten und Chemikalien im Gesicht finde ich überflüssig.“

Das ist schön. Hilft mir aber auch nicht wirklich weiter. Ich brauche einen Grund, wenigstens 2 mal in der Woche ordentlich auszusehen. Darüber muss ich noch mal gründlich nachdenken. Einen Schlachtplan entwerfen. Vielleicht einen festen, sich wiederholenden Termin in meinem I-Phone speichern: Mittwochs und Samstags, 7.00 Uhr – 8.00 Uhr: Haare aufnudeln, schminken, einduften, mit Klunkern behängen, schicke, wenn auch unbequeme Klamotten anziehen, Lammfellpantoffeln in den Schrank und dafür ordentliches Schuhwerk, vielleicht sogar mit 2 cm Absatz.

Aber nicht heute.

Eure Grete.