grete,


Israelische Effizienz







Effizienz ist wirklich immer auch eine Frage der Definition. Im Gabler Wirtschaftslexikon wird das so dargestellt: Beurteilungskriterium, mit dem sich beschreiben lässt, ob eine Maßnahme geeignet ist, ein vorgegebenes Ziel in einer bestimmten Art und Weise (z.B. unter Wahrung der Wirtschaftlichkeit) zu erreichen.

Das würde auch voraussetzen, dass diese Maßnahme planbar und wiederholbar ist. Nach dieser Definition wären die Israelis in den meisten Dingen als inhärent ineffizient zu bezeichnen. Ihre Stärke ist Improvisation und die unendliche Freude daran, durch das Ignorieren von Normen und Regeln und den Einsatz von ungewöhnlichen Ansätzen zu einer schnellen Lösung des anstehenden Problems zu kommen.

Lasst mich ein Beispiel nennen. Sommer 1993 – ich bin im 8. Monat schwanger, meine Schwester ist aus Deutschland zu Besuch und ich möchte mir ein paar Still-BHs kaufen. Gemeinsam mit der Schwester gehen wir ins schickste Wäschegeschäft am Ort und ich sage der äußerst eleganten Verkäuferin, einer Dame um die 50 mit Chignon und Perlenkette, was ich suche.

„Welche Größe?“

„Ummmm……“ – ich überlege circa 5 Sekunden (schließlich gibt es ja in der Schwangerschaft ein paar Änderungen in diesem Bereich) – und bevor ich auch nur eine Vermutung äußern kann, schießen die Hände der Dame in meine Richtung, greifen meinen Busen und quetschen einmal kurz.

„Ah, 80 C.“

Sowohl bei meiner Schwester als auch bei mir fiel simultan die Kinnlade runter.

Aber was soll ich sagen? Die BHs passten wie angegossen.

Eine deutsche Verkäuferin hätte höflich nachgefragt, ob sie denn einmal ausmessen dürfte, das ganze hätte dann ungefähr 5 Minuten anstatt 30 Sekunden gedauert, aber so hat man ihr das beigebracht, so sind die Regeln, so macht man das. Immer.

Was jetzt die höflichere oder angenehmere Methode von beiden ist steht außer Frage, effizienter waren selbst nach Gablers Definition die Israelis.

Ein weiteres Beispiel aus dieser Kategorie – ein Besuch in einem Restaurant, wieder ist meine Schwester mit dabei. Wir haben die Vorspeisen, das Hauptgericht und die Nachspeise hinter uns, nur der Kaffee zum Abschluss fehlt noch. Bisher wurden die schmutzigen Teller und Schüsseln der drei Gänge noch nicht weggeräumt – d.h. auf dem Tisch ist kein freier Zentimeter zu finden.

Da kommt der Kellner mit den Kaffeetassen auf einem Tablett. Guckt sich auf dem Tisch um, sieht: Aha, kein Platz. Schaut meine Schwester an und sagt: Kchi (Nimm)!

Drückt ihr das Tablett in die Hand und verschwindet.

Wir reden hier nicht von einer Imbissbude am Straßenrand. Ein ordentliches Restaurant, nicht ganz billig.

Hatte diese Maßnahme (das Übergeben des Tabletts) das vorgegebene Ziel (die Gäste mit Kaffee zu versorgen) unter Wahrung der Wirtschaftlichkeit erreicht? Jupp, wir haben unsere Rechnung bezahlt. Plus – der Kellner musste nur einmal anstatt viermal abräumen. Wenn das nicht effizient ist.


Eure Grete